Caritasverband Hochrhein e.V.

Gemeinsam Gutes schaffen

Caritasverband Hochrhein e.V. Gemeinsam Gutes schaffen

Begleitetes Wohnen in Familien

Kontakt:

Ilona Würth-Keller

Ilona Würth-Keller
Dipl. Sozialpädagogin (BA)
Poststraße 1
79761 Waldshut-Tiengen
07751 80 11-0 (über Verband)
0152 229 011 00
07751 80 11-99
i.wuerth-keller@caritas-hochrhein.de

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PDF Unser Flyer „Begleitetes Wohnen in Familien“

 

Bekenne Farbe – die grüne Schleife für Akzeptanz für psychische Erkrankungen – Gastfamilien bieten psychisch erkrankten Menschen ein Zuhause

Seelische Leiden betreffen uns alle und dürfen kein Tabuthema sein. Fast jeder Dritte leidet im Zeitraum eines Jahres an einer psychischen Erkrankung. Um die damit verbundenen Probleme offen ansprechen und angehen zu können, benötigen Betroffene und Angehörige gesellschaftliche Akzeptanz und Unterstützung. Hierum wird 2020 im Umfeld des Tages der psychischen Gesundheit (10.10.) mit der grünen Schleife geworben, unter anderem auch durch die Nutzer*innen und Mitarbeitenden der Vermittlungsstelle für Gastfamilien des Caritasverbands Hochrhein e.V.

Heinz Schindler
Heinz Schindler, Foto: Ilona Würth Keller

Heinz Schindler hat es in seinem Leben nicht immer leicht gehabt. Aufgrund seiner psychischen Erkrankung fällt es ihm schwer, die Herausforderungen, die der Alltag mit sich bringt, alleine zu bewältigen. So lebte er auch einige Zeit in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für Menschen mit psychischer Behinderung, bevor er Marianne Höldin über einen Zufall kennengelernt hat. Seinerzeit beim Bauhof beschäftigt, wurde er beim Streichen eines Buswartehäuschens von ihr angesprochen und gefragt, ob er auch kleinere Arbeiten in ihrem Garten und am Haus übernehmen könne. Bei der Mithilfe im Garten und am Haus blieb es nicht. Marianne Höldin hat ihn als Mieter bei sich aufgenommen und als klar war, dass Heinz Schindler weitere Unterstützung benötigt, hat sie sich bereit erklärt, sich auch im Alltag um ihn kümmern.

Daraus ist ein so genanntes BWF (Begleitetes Wohnen in Familien) entstanden: eine betreute Wohnform, die es psychisch erkrankten Menschen ermöglicht, für einen begrenzten Zeitraum oder auf Dauer bei Gastfamilien zu leben. Der Caritasverband Hochrhein e.V. vermittelt und betreut diese Wohnform durch Fachkräfte der gemeindepsychiatrischen Dienste. Diese beraten und betreuen die gastgebenden Familien und aufgenommenen Bewohner*innen in regelmäßigen Gesprächen, vorrangig durch Hausbesuche.

Bei Heinz Schindler hat der Zufall mitgespielt und er ist froh, dass er ein Zuhause bei Marianne Höldin gefunden hat mit ausreichend Platz, um auch seine Modelleisenbahn aufbauen zu können. Hier ist er wieder ein freier Mensch, kann seinen Alltag überwiegend selbstständig und unabhängig gestalten, ohne auf die Unterstützung, die er braucht, verzichten zu müssen. Marianne Höldin erinnert ihn unter anderem an das Aufräumen und Sauberhalten seiner Wohnung, macht für ihn die Wäsche und unterstützt bei Großeinkäufen. Auch das gemeinsame Feiern seines 60. Geburtstages oder gelegentliche Essenseinladungen von ihr genießt er. Ein besonders großes Glück ist es für ihn, dass zwischenzeitlich auch seine Lebenspartnerin, ebenfalls über das BWF, bei Marianne Höldin miteinziehen konnte.

Als hilfreich empfindet Heinz Schindler die regelmäßigen Besuche der Caritasmitarbeiterin, mit der er über seine Aktivitäten, Erlebnisse und Begegnungen sprechen kann. „Ich kann so meine Gedanken sortieren und belastende Dinge ansprechen.“ Als er am Anfang noch Schwierigkeiten hatte, mit der neuen Unabhängigkeit zurechtzukommen und sich gleichzeitig an Regeln halten zu müssen, wurden diese Themen mit der Caritasmitarbeiterin und Marianne Höldin regelmäßig besprochen und nach Ansicht von Heinz Schindler für beide Seiten annehmbare Lösungen gefunden. Er meint: „Durch das BWF habe ich an Lebensqualität gewonnen; ich hoffe, dass ich noch möglichst lange bei Frau Höldin wohnen kann. Es geht mir sehr gut bei ihr…“

Auch Marianne Höldin erlebt das BWF als eine Bereicherung. Die Aufgabe als Gastgeberin erfüllt und beglückt sie. Wie sie sagt, hat sie ein Herz für originelle und skurrile Menschen, die zu einem lebendigen Bild in der Gemeinde beitragen. Und das tut Heinz Schindler, der in der Gemeinde und Umgebung bekannt und akzeptiert ist. Wie sie sagt, ist die Akzeptanz der Nachbarschaft und des sozialen Geflechts wichtig für den Gastbewohner und für das Gelingen des BWF.

Eine besondere Qualifikation wird von den Gastfamilien nicht erwartet. Nach Schilderung von Marianne Höldin ist große Toleranz gefragt, Achtung und Respekt vor dem Mitmenschen. Laut Marianne Höldin besteht die Kunst darin, die Gastbewohner so sein zu lassen, sie anzunehmen in ihrem „So-sein“ und nicht umkrempeln zu wollen, gleichzeitig aber auch steuernd und regulierend zu wirken in einer Art und Weise, dass das Gegenüber sich ernst genommen fühlt.

Marianne Höldin schätzt ihre Gastbewohner sehr, erkennt ihre guten Eigenschaften, so auch die freundliche und zuvorkommende Art von Heinz Schindler, für die es sich zu einzusetzen lohnt. Auch in Krisenzeiten und grenzwertigen Situationen. Da ist Marianne Höldin erleichtert, eine Fachkraft des Caritasverbandes mit im Boot zu wissen. „Besonders in Krisenzeiten oder Extremsituationen gibt es mir Sicherheit, Boden und Rückhalt, eine soziale Institution zu haben, die mit eingebunden ist. Ich habe eine Ansprechperson, mit der ich mich beraten kann: Wie gehe ich mit der aktuellen Situation um?“ Auch in den regelmäßigen Dreiergesprächen können verschiedene Anliegen thematisiert, Verabredungen getroffen werden und neue Perspektiven für das weitere Miteinander erarbeitet werden. Für Marianne Höldin ist es ein gutes Gefühl zu wissen, nicht alleine mit der Aufgabe zu sein. Hilfreich sind ihr auch die regelmäßigen Gastfamilientreffen, wo ein Austausch zwischen den Gastfamilien stattfinden kann.

Marianne Höldin hält das BWF für eine tolle Wohnform, die es hilfebedürftigen Personen, die in der Welt keinen richtigen Platz haben und sich nicht geborgen fühlen, ermöglicht, in einer Familie Heimat zu finden mit privater und persönlicher Einbindung, was eine stationäre Einrichtung nicht unbedingt bieten kann. Sie wünscht sich, dass noch viele Hilfesuchende in den Genuss dieses Wohnangebotes kommen und davon profitieren. Sie sieht großes Potential darin – auch für alte Menschen. „Für mich ist das eine wunderbare Aufgabe und ich würde sofort 2-3 weitere Personen aufnehmen, wenn ich genügend Platz hätte.“